provinzgefluester


Täglich grüßt der Busfahrer
März 28, 2008, 8:44
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Als ich heute morgen in den Spiegel schaute, als ich auf der Arbeit den Kaffee trank und mit meinem Chef quatschte, fiel es mir erst wieder gravierend auf.
Es ist eine gesamt monotone Scheisse die hier abläuft, und das seit mehr als 2 Wochen.

6:30    Aufstehen, duschen, Kaffee, rauchen
7:35    Bus zur Arbeit
8:00   Arbeit. Kater verarbeiten, Kaffee
12:00 Essen, im Falle dass der Magen es zulässt.
13:00 Müdigkeit
16:15 Feierabend
17:00 Zu hause, nichts tuen. Kaffee, rauchen.
18:00 Weiter checken.
20:00 Feierei
21:00 Feierei, muss sein.
22:00 Feierei, richtig gut.
23.00 Feierei
00:00 Filmriss

6:30 ….

Diese ganze Scheisse hier langweilt mich zutiefst. Würde mein Chef mich wenigstens ordentlich zusammenfalten, wenn ich vor seinen Augen nur am surfen oder Mails schreiben bin, wäre das noch der Höhepunkt des Tages. Aber nein, stumpfes Absitzen und auf Aufgaben warten.

Kaffee, Käsebrötchen und Aspirin. Das geb ich mir jetzt.
Und Cheffe juckt das eh nicht, der hängt im StudiVZ.



Nur kurz
März 27, 2008, 8:14
Gespeichert unter: Alltag

Im Fernsehen lief heute Nacht noch eine Dokumentation über Hooligans in Deutschland. Ich rauchte einen Joint und genoss den kalten Ansturm von Gewalt auf der Mattscheibe. Rauchbomben, Bullenschweine und Pflastersteine.
„Manchmal muss man eben etwas kaputt machen“ denke ich, und schlafe mit Johnny Cash in den Ohren ein.

I hurt myself today ….



Erkenntnis I
März 25, 2008, 2:49
Gespeichert unter: Alltag

Ich trinke meine Kaffee, draußen kratzt meine Nachbarin ihr Auto frei.
Hier schneit es seit Tagen, und nach 10-Minuten Fußweg zum Bahnhof könnte ich so zugeschneit für die rote Armee in Stalingrad kämpfen.
Ruhmreich und mit Arbeiterliedern auf den Lippen zum Bus.

Ich bleibe hier, das steht fest. Es ist mir in letzter Zeit relativ egal, wer aus meinem engeren Freundes- oder Bekanntenkreis hier mitliest. Aber ich habe nach und nach immer weniger Bock auf dieses alte „zu hause“.
Kein vierteljährlicher Blümchensex mit Gefühlschaos, keine ständiges Gebrülle im Elternhaus, kein Graskauf mit beschissenen Kursen mehr.
Mir ist klar, dass ich mich einer gewissen Verantwortung auch hier nicht entziehen kann. Dass selbst die nächste Person die ich streichle, eine Erklärung haben möchte. Dass es egal ist, wo man sich gerade befindet, man trotzdem verletzen kann und verletzt wird. Aber all dies dann lieber hier. In neuem Umfeld, der eigenen Wohnung und dem diesem Job.

Und wenn es das letzte ist was ich tue, ich werde selbst diesen verschissenen Füherschein hier fertig machen. Und weniger auf Touren nachts. Und das besser. Und hier keinen Stress. Und sowieso friedlicher. Ich werde mich ändern. Irgendwie.

Frei nach „… but alive“

Sie schreien dich an, werd’ endlich älter.
Werd’ vernünftig, los, werd’ alt.
Und Jahr für Jahr wird’s immer kälter
Und ich mein’, es war schon ziemlich kalt.
Wir müssen vor dem, was zählt, hier nicht entfliehen,
Nur weil die Jahre weiterziehen.

Irgendwas bleibt immer 16
Irgendwas wird niemals älter
Irgendwas wird 16 bleiben
Für immer 16 und niemals älter



Abspann
März 23, 2008, 3:14
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Mein Bruder war 4, ich muss 6 gewesen. Ein Osterspaziergang mit der Familie. Ich versteckte die Eier und er freute sich über jedes Gefundene. Später erzählte ich ihm, es gäbe den Osterhasen gar nicht.

An sich war ich nie der Fan von Essen an Feiertagen mit der Familie. Zumal am Vortag bei solchen Terminen meist so groß Party ist, dass ich mich bemühen muss, die anderen Gäste nicht vollzukotzen oder in Gespräche über Bukowsky und Adorno zu verwickeln.
Bereits bei der Vorspeise wurde der Pegel durch 2 Bier wieder aufgefrischt. Das Essen war gut. Die letzte Nacht hatte im Kreislauf doch ihre Spuren hinterlassen. Anders konnte ich es mir nicht erklären, dass selbst das 2malige Zähneputzen keinen Konter gegen meine Fahne bieten konnten.
Eine Art von sehr strangem Schauspiel. Man sitzt in einem Kellergewölbe, die Familie trascht und ich bestelle ein Bier nach dem Anderen.
Die Gespräche drehen sich irgendwann um vergangene Urlaube und Festtage.
Mein Vater sitzt wie seit langem teilnahmelos dabei.
Ich habe mir mittlerweile abgewöhnt, ihn zu bemitleiden und trotzdem schmerzt es, ihn so anzusehen. Linksseitig gelähmt, diese eingeschränkte Handlungsfähigkeit. Und selbst wenn er etwas sagt, wird ihm wenig Beachtung geschenkt. Verfluchte Scheisse, eigentlich sollte ich mich über so eine Familie freuen.
Selbst das Gespräch mit meiner Mutter über die letzten Tage, die verlorene EC-Karte und ihre Sorgen um meine durchgefeierten Nächte verlief ruhig und gut.

Während mein Onkel von seinem Stammitaliener erzählt, schaue ich nur auf meinen Vater. Ich schneide ihm sein Steak und versuche ihn etwas aufzumuntern. Irgendwie zu zeigen, dass es mir egal ist wie er nun aussieht oder wie krank er ist. Dass ich ihn trotz allem Verganenen der letzten Jahre liebe und er nach wie vor mein Vater ist.
Während die Gespräche der Anderen sich wieder um Urlaube und Feiern drehen, denke ich an Dänemark ´96. Wie mein Vater uns morgens früh weckte, damit wir nicht in den Urlaubsstau auf der Autobahn kommen.
Wie wir gemeinsam grillten, an den Strand fuhren oder einen Drachen steigen ließen. Wie er aussah, bevor er krank wurde. Die linke Gesichtshälfte fällt nicht nach unten, er geht normal und fährt Auto.
Irgendwo ein Überdruck an Gefühlen, mir wird schlecht und ich gehe raus zum Rauchen. Das Restaurant liegt direkt am Fluss, der gerade über die Ufer tritt. Die Sonne scheint.
Eine Zweite rauchen, die Sonnenbrille auf und nur noch genießen.
Abseits von allem, und der Pegel von Gestern Abend gleicht sich an das frisch getrunkene Becks an.

Hier bleibe ich, und wahrscheinlich hat sich Gott ebenso gefühlt, als er seine erste Erektion hatte. Immerhin ist es Ostern, Halleluja!

Eric Clapton – Layla 



Ooh, baby, do you know what that’s worth?
März 19, 2008, 2:53
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„Ouh! Heaven is a place on earth“ schallt es aus dem vorbeifahrenden Auto.
Ja, leicht wie im Himmel fühle ich mich auch. Aber das muss einen anderen Grund haben. Meine Pupillen werden wahrscheinlich schon wieder irgendwelche undschuldigen Passanten anspringen.

Verdammte Axt, 2 wochen neuer Job und direkt total verpennt. Die Erinnerungen an die letzte Nacht schwanken. Plötzlich stehen in der neue Wohnung Öttinger Flaschen, es ist verraucht.
Gegen Mittag wichtiges Meeting mit dem Regionalleiter, unpassender als unpassend.
Ich bestelle mir ein Taxi. Mit dem Bus zur Arbeit würde jetzt viel zu lange dauern, wo ich sowieso schon über eine Stunde überfällig bin.
Meine starke Fahne bemerke ich erst, als sich der Taxifahrer bei einer dieser typischen „Ich bin cool, du bist cool“ Konversationen immer weiter nach links von mir weg neigt.
Eigentlich fühl ich mich ja schon recht geil, so mit Jacket und Hemd.
Da macht selbste die Höchstzahl an Aspirin nicht mehr viel dran.

Verfluchte Scheisse. Mit so einer zerschranzten Fresse und dem allgegenwärtigen Gestank nach Restalkohol könnte ich dem Chef nicht gegenübertreten.
Glück auf der Arbeit; Kollegen sind gut gelaunt und meine Verspätung inklusive mein Anblick werden anscheinend toleriert. Schon wieder, das müssen die Klamotten hermachen. Eigentlich fühle ich mich schon recht scheisse, dafür dass ich mir auf Kleidungstücke wirklich so einen Egopush gebe.
Jedoch addiert mit meinem körperlichen Zustand zu diesem Zeitpunkt entwickelt das ganze dann doch einen sehr witzigen Stil.
Das Frühstück verteilt sich auf den Vormittag in Kombination von Kaffee, Kippen und Aspirin. Ungesund, aber im Anbetracht meiner Lage nicht vermeidbar.
Wenig zu tun, ich checke Myspace und Mails. In Gedanken bin ich bereits bei morgen. Die Ostertage mit Familie und vor allem den Freunden verbringen. Den Geburtstag vom Bruder mit all den geilen Leuten.

Gegen Mittag ruft meine Mutter an. Ob ich denn mal meinen Kontostand überprüft hätte und wo ich heute Nacht gewesen sei.
Wie kann sie ,200 KM entfernt, wissen dass ich heute Nacht unterwegs war?
Jemand von der Bank habe angerufen, meine Karte wurde heute Morgen in einem Zigarettenautomat gefunden. Das muss ein Teil vom Filmriss sein, denn meine Kippenpackung ist schon wieder halb leer.
Jedenfalls hat meine Mutter somit einen Aufhänger. Sorgen, Probleme, Stress. Was ich denn nachts machen würde, wenn ich doch arbeiten müsse. Ob die ganze alte Linie wieder losginge. Drogen im Spiel, Ärger und so weiter. Dass wir das alles schon einmal hatten, dass ich doch daraus gelernt haben sollte.
Ich höre nur halb zu. Der Kaffee ist fertig und ich renne mit meiner Mutter am Ohr in der Firma rum.

Erst als wir das Telefonat beenden und uns dafür verabreden, dass sie morgen Nachmittag herkommt, erwischt es mich.
Ich denke darüber nach, dass ich hier an diesem neuen Ort eigentlich alles anders und besser machen wollte. Kein großes Feiern und durchmachen unter der Woche. Weniger von dem ganzen Zeug und sowieso etwas gesünder leben.
Ich wollte am wenigstens mir, denn eher meinen Eltern beweisen, dass ich das hier packe. Dass ich von heute auf morgen verschwinde und weiter weg wieder aufkreuze. Job, Wohnung und ein klein wenig Ordnung.
Zum ersten Mal nach langer Zeit kriege ich Gewissensbisse.
Schuldig im Sinne der Bankkarte, der ehrenwerte Richter des obersten Kippenautomaten.

Das Gespräch mit dem Regionalleiter läuft besser als ich dachte, immerhin hatte ich im Vorfeld noch gut gegessen und wie ein Irrer nach Kaugummis gesucht.
Für den Abend verabrede ich mich mit 2 Bekannten in meine Wohnung. Film gucken, was essen.
Aber verdammt nochmal eigene Grenzen setzen.

Ich brauche neuen Kaffee und kotze mich innerlich an. Es stinkt widerlich.



Out of step
März 16, 2008, 7:49
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Kein Strom in neuer Wohnung. Alles viel zu teuer.
Zu viel Kaffee, zu wenig essen.
Prellungen, Hämatome, ein blaues Auge und 2 Stunden Krankenhaus.

Heute ist Sonntag und ich zitiere mal etwas frei:

„Ich kotz´euch heute noch alle an!“



Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich ….
März 13, 2008, 7:54
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30.12.07: Berlin. Der Tunesier Mohamed Mechergui (28) erhängt sich im Abschiebegefängnis. 11.12.07: Amberg. Der Iraner Kamal X. (28) übergießt sich mit Benzin, zündet sich an und erliegt den Ver­letzun­gen. 29.8.07: Rostock. Soran Ali Khor­shid aus dem Irak stirbt an einer Überdosis Tabletten. 13.8.07: Mostar in Bosnien. Amruš Aljiti (63) stirbt an fehlendem Insulin. Der Schwer­kranke war vier Wochen zu­vor abgeschoben worden. 27.6.07: Frank­furt am Main. Der Kurde Mustafa Alcali (30) erhängt sich in Abschiebe­haft. 7.6.07: Luanda in Angola. Sherry Alex (24) stirbt nach der Abschiebung an Malaria. 11.4 07: Lotte in Nordrhein-Westfalen. Ein 34 Jahre alter Flüchtling aus Nepal ersticht sich in der Flücht­lingsunterkunft. 4.2.07: Tsche­chisch-deutsches Grenzgebiet in Sach­sen. Zwei äthiopi­sche Flücht­linge werden von einem Nahverkehrs­zug erfaßt und töd­lich verletzt. 12.12.06: Niedersachsen. Der kurdi­sche Flüchtling G. Y. erhängt sich in einer psychia­trischen Klinik. 4.12.06: Hamburger Hafen. Die Ko­lumbianer Wilson O. (35) und Justiano A. (33) werden tot im Fracht­raum des Bananen­frachters „Regal Star“ gefunden. Sie sind erstickt. 26.10.06: JVA Stadelheim. Asse­ged Admaso (32) aus Äthio­pien erhängt sich in Abschiebehaft. 5.10.06: Sachsen. Ein 28 Jahre al­ter Flüchtling aus Tsche­tschenien erhängt sich im Flücht­lingheim. 1.8.06: Dannenreich in Brandenburg. Vier vietnamesische Flüchtlinge sterben bei einem Autounfall nach Verfolgungsjagd durch die Polizei.



Sderot
März 11, 2008, 10:49
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Bei Spiegel-Online findet sich dieser sehr bemerkenswerte Artikel von Henryk M. Broder zum Thema “Leben in Israel”. Darin wird sehr deutlich beschrieben, wie gerade die Zivilbevölkerung unter dem Terror der Hamas zu leiden hat, was in der westlichen “Palästinenserpresse” leider zumeist ignoriert wird.

Bei: Iza



Angekommen
März 10, 2008, 2:36
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Manchmal weiß ich gar nicht, was ich hier überhaupt machen soll.
Blogeinträge schreiben fällt schwer, da man als Neuer immer den Platz mit dem Rücken zur offenen Tür bekommt.
Also Myspace, Blogs lese und ICQ. Was bleibt anderes, wenn nichts zu tun ist?
Es ist nun eine Woche her, dass ich diesen Spontanen Wechsel vollzogen habe.
Letzten Freitag eine neue Wohnung besichtigt und immer noch in der Hoffnung, diese so schnell wie möglich beziehen zu können.
Mein Tagesablauf hat sich im Gegensatz zu dem vor ein paar Monaten extrem geändert.
6 uhr aufstehen, Kaffee machen, Duschen. Kaffee trinken, Zigarette.
Zum Bus gehen, Zigarette. Im überfüllten Bus 15 minuten zum Bahnhof.
Dort zum Bäcker, Kaffee, Zigaretten und Croissants kaufen.
Warten auf den Anschlussbus, rauchen und Kaffee trinken. Nebenbei die allmorgendlichen Gespräche der Schüler verfolgen und schöne Frauen ansehen.
Kein dauerhaftes Kiffen und Saufen in der Woche. Irgendwo schon recht komisch, so oft nüchtern einzuschlafen.
Vielleicht sollte ich es mal wieder mit Sport versuchen, oder meinen Arsch und die Kamera hochkriegen.
Ich glaube, ich verschwende den Großteil meiner freien Zeit hier eigentlich nur mit Denken.
Denken an sie, an mich, all die Wochenende und die Leute in dieser fremden Stadt. Wenn sie mich anschauen, wenn ich in den Bus steige.
Viele unbekannte Menschen, ein noch fremder Ort und Zigaretten auf nüchternen Magen.
Ein Wochende ohne die Minuten eines nüchternen Zustandes verbracht. Woanders hat sich eben doch rein gar nicht geändert.
Mein Bruder lallt, seine Freundin springt auf Gras wie verrückt im Zimmer rum und ich selber bin gedanklich schon wieder ganz woanders.

Ich führe eine Fernbeziehung mit diesen Drogen, meinen Freunden und mir selbst.



März 7, 2008, 8:08
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