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Hallo Philip.
Ich sitze gerade weiter weg, als du es dir vor einem halben Jahr wahrscheinlich hättest denken können.
Mein Arbeitgeber ist OK, der Job hier langweilig.
Falls du es erfahren hättest, wie auch immer, werde ich nun doch nicht zum zweiten Male diesen Jahres umziehen.
Ich werde vorerst hierbleiben, vielleicht bis September, vielleicht auch länger.
Und du? Du bist weg. Einfach so.
Ohne dich, dein Wissen und unsere Freundschaft hätte ich diese Prüfung wahrscheinlich nicht bestanden. Du hast mir den Rücken gestärkt.
Als ich damals ein halbes Jahr verlängern musste, war mein Leben privat wie beruflich komplett auf den Kopf gestellt, und ich wusste nicht, wie ich die Sache mit meiner Ausbildung wieder geradebiegen sollte.
Es waren nicht meine Arbeitskollege, mein Chef oder meine Familie, die mir zu diesem Zeitpunkt helfen konnte.
Es warst einzig und allein du, der nach der Berufsschule mitkam zum lernen, den ich mit Mappen voller Prüfungsstoff aufsuchte, der dieses schöne Zimmer im Keller zum abhängen hatte.
Und nun. Du bist weg. Einfach so.
Als ich von einem deiner Freunde am 3. Mai diese eine Mail erhielt, war ich hingerissen von Tränen und meinem eigenen Schuldeingeständniss.
Hatte ich dich jemals nach unserem Bestehen der Prüfung besucht?
War ich trotz Einladung auf deinem Geburtstag?
Habe ich sonst wie auf deine Mails reagiert?
Nein, denn du erschienst mir nicht wichtig und ich war mehr in mich selbst verliebt, als ich darauf hätte achten können.
Danach wollte ich mir Mühe geben, habe einen dreiseitigen Brief an deine Frau und die beiden kleinen Racker geschrieben, die du über alles geliebt hast.
Er liegt nach 2 Monaten immer noch auf dem Fernsehkarton in meiner Wohnung, die so leer ist, wie ich mich fühle.
Deine Beerdigung konnte und wollte ich nicht besuchen. Nimm es mir nicht böse, aber wie du bereits damals merken konntest, war es schon immer das Schreiben, durch das ich mich zu vielen Dingen besser ausdrücken kann.
Genau wie jetzt gerade hier, als ich überlegt habe, ob wir überhaupt jemals über Zukunft gesprochen haben. Eigentlich hattest du es nicht nötig, darüber zu sprechen. Du hattest dir deine Zukunft bereits geschaffen. Mit einer schönen und lieben Frau, 2 wunderbaren Zwillingskindern, einer geräumigen Wohnung und deiner unmissverständlichen Art, Leuten immer unter die Arme zu greifen.
Eine Zeit lang hielt ich es für eine gute Idee, hinterher zu recherchieren, warum der Zug dich überrollte. Ob du es so wolltest, oder es ein Unfall war.
Jetzt ist mir klar, dass ich dies gar nicht wissen möchte. Dass ich dieses halbe Jahr, was wir beide miteinander verbracht haben, als eigene Erinnerung tausendmal wichtiger ist als die Umstände deines Todes.
Du fehlst, Philip.
Old Stuff
Warum wiederholt sich alles?
Ich fühle mich wie auf der Rennstrecke. Immer wieder im Kreis, bis irgendwann das Benzin alle ist.
Und nachdem man ein bisschen Zeit mit dem Tanken verbracht hat, geht es zurück auf die Bahn.
Am liebsten würde ich für immer alleine fahren. Nur für mich. Doch dann bist du da.
Bist du nun hinter oder vor mir? Bin ich der Gewinner oder Verlierer?
Oder sind wir beide vielleicht Gewinner sowie Verlierer?Komm her, zieh an mir vorbei. Überhol mich.
Wir sehen uns wieder. Oder werde ich aussteigen, und diese Rennstrecke für immer verlassen? Weil dieser Wettkampf einfach zu sehr belastet.
Oder verlässt du sie, vielleicht weil da noch bessere Rennstrecken sind. Mit anderen Kontrahenten.
Ich will nicht mehr fahren, in keinem Wettbewerb mehr stehen.
Vielleicht treffen wir uns ja eines Tages auf einem Turnier wieder. Mal sehen, wer in der vergangenen Zeit mehr erreicht hat. Mehr Medallien, mehr Ruhm, mehr Anerkennung.
Alles Dinge, die man sich von Anfang an hätte erkaufen können.
Aber halt, ging es nicht ursprünglich um die Liebe, Zuneigung, Nähe, Zärtlichkeit?
Haben wir da vielleicht was falsch verstanden? Sollten wir beide vielleicht den Rennsport aufgeben?
Oder sollte jeder von uns das tuen, was er am besten kann?
Nämlich dem anderen immer wieder hinterher fahren. Wie ein Hund, der seinen eigenen Schwanz jagt.
Wie 2 Autos auf der Rennstrecke.
Bis es irgendwann chrasht ….
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Vielen Dank an´s Herrenhauser für den lohnenden Tip.
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Hitze. 27 Grad im Schatten.
Wasser ins Gesicht als Ersatz für den viel zu warmen Kaffee.
Als ich in den Spiegel blicke, schauen mich 2 müde Augen mit einer Mischung aus Hoffnung und Überforderung an.
Niels, einer der Menschen, welche ich in den letzten Monaten hier kennen lernen durfte, würde diesen Anblick wohl als meinen allmorgendlichen Normalzustand bezeichnen.
Jede Morgen aufs Neue die eigene, plagende Frage nach dem Sinn, dem Ziel oder gar der Notwendigkeit meines gerade sehr exzessiven Lebenstils.
Maßlos, so schrieb Airen es einst.
Lebe ich maßlos, und Ja, wieso sollte es mir gefallen?
In spätestens 2 Monaten werde ich wahrscheinlich wieder umziehen müssen.
Neue Stadt, neue Menschen, neue Wohnung.
Von meiner neuen Arbeitsstelle mal abgesehen.
Noch nicht einmal den verdammten Führerschein habe ich hier bis jetzt fertig bekommen.
Und letztendlich denke ich, es verstehen zu können.
Warum ich gerade dieses exzessive, vielleicht wirklich maßlose Verhalten über die letzten 4 Monate hinweg vollzogen habe.
Es scheint ein ständiges Versteckspiel zwischen Angst und Einsamkeit zu sein.
Wenn ich unterwegs bin, feiere und mit Leuten stundenlang quatsche, so ist es wohl die Furcht vor der immer wiederkehrenden Einsamkeit.
Oder zumindest dem Gefühl davon.
Später sitze ich auf dem Fliesenboden meiner Küche und höre dem Kühlschrank beim halbminütigen Knacken zu.
Ein Joint glüht im Aschenbecher. Das Becks ist alle.
Die Flucht ins persönliche Nichts.
Mehr als eine mentale Entspannung.
Dunja, wie ich ihn kenne, würde nun wahrscheinlich einen Bukowsky Vergleich inklusive Zitat anstellen.
Nun sitze ich im Zug, zurück in die Stadt, aus der ich einst weggezogen bin.
Zurück zur alten Schule, bewaffnet mit Becks, Gras und einem MP3-Player.
Es ist mir egal, wie viel Stunden mir von meiner Gleitzeit fehlen, was meine Kollegen über mich denken oder wie viel Geld auf meinem Konto liegt.
So lange ich hierhin zurückkehren kann, meine Freunde mich begrüßen und das maßlose Feiern auch hier bestehen bleibt.
Irgendwie doch eine Art von exzessivem Dasein.
Old Stuff
Katastrophale Zustände In Rostock
Laut Bild greifen die Autonomen mittlerweile zu schweren Waffen.
Heute morgen soll es zu Konflikten zwischen örtlichen Blumenhändlern gekommen sein.
Die Polizei ist machtlos und verliert die Kontrolle über 2 Stadtteile.
Einsatzleiter Hans-Dieter Eberhardt dazu:
„Als heute Mittag ein Blumenstengel auf einen Beamten flog, wurde uns klar, dass die Situation außer Kontrolle geraten ist. Wir haben direkte Kooperationsgespräche mit antispeziistischen Gruppen gesucht und sind um Deeskalation bemüht. Eine Entspannung der Lage ist nicht abzusehen. Wir sind aktuell darum bemüht, einen Großteil an Gießkannen und Blumenerde aus dem Gefahrenbereich herauszubringen“
Er fügte hinzu, dass im Laufe der Nacht eine Welle der Gewalt zu erwarten sei. Man müsse von Tulpen bis hinzu Sonnenblumen rechnen.
Ein Pressesprecher von Attac kündigte an, dass man sich konsequent von jeglicher Botanik distaniziere.

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„Davon, dass wir uns bei Bomber Harris unter anderem dafür zu bedanken gedachten, dass wir frei nach Karin Quade bei unserem Abschied von unseren Eltern `Ciao` statt `Heil Hitler` sagen konnten, wussten diese zum Glück nichts.“
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10:21 Uhr. Kaffee im Überfluss, und der Hunger plagt.
Heute morgen viel zu vercheckt aufgestanden, verschlafen, keine Zeit fürn Bäcker. Straigt zur Arbeit, wie die letzten 4 Monate.
Während die Ärzte mir über das Webradio zum dritten Mal heute verklickern, man solle die Leute reden lassen, versuche ich angestrengt ein Résumé über all das neue und doch alte hier in die Tasten zu hauen.
Es wird mir nicht gelingen. Weder einen Vergleich zu ziehen, noch die Veränderungen mit mir selber vernünftig beschreiben zu können.
Es ist Sommer, und je mehr ich versuche mich den positiven und schönen Gefühlen im Freundeskreis hinzugeben, desto stärker habe ich den Drang, mich einfach nur in meiner 2-Zimmer Wohnung einzuschließen.
Was ich sagen will ist:
Ich kann und will diese exessive Leben, diese Art von Beschäftigung nicht jetzt und hier aufgeben.
Morgens je nach vorheriger Praktizierung total vercheckt auf der Arbeit landen. Die Wohnung sieht scheisse aus, Gras und Becks auf dem ach so schönen Glastisch. Egal, Fuck! Es geht noch.
Erst Schübe von Depressionen sind es, die einen dann wieder an Land ziehen.
Wenn man mit 20 Jahre an dem üblichen abendlichen ort sitzt. Bier trinken, Joint bauen, Gespräche suchen. Wenn man sich an diesem Ort die Menschen anguckt, 30 oder 40. Ich denke an Harry und Ingo. Krass fertig mit dem uns als normal angesehenen Leben. Eine eigene Welt. Fernab von jeglicher gesellschaftlichen Norm.
Man scheißt drauf, denn irgendwie fühlt man sich hier wohl.
Diese Angst vom Alleinsein, einen Abend einsam zu hause zu verbringen. Ich weiß nicht, ob es der Grund für meinen akuten Zustand ist, wohl aber sehr gut ein stark einwirkender Faktor.
Keine Ahnung, warum selbst diese Geschriebene hier so konfus auf mich wirkt.
Aber ich schreibe wieder. Das nächste Mal besseres. Versprochen!
