provinzgefluester


Wer im Glashaus sitzt, fällt selbst in die Grube.
Juli 31, 2008, 11:02
Gespeichert unter: Alltag

Um halb eins kommen wir bei ihm an.
Im halben Rausch irgendwie das neue Handy und somit auch diese wichtige Nummer, die seit mittlerweile 5 Jahren meine Existenz im globalen Mobilfunknetz darstellt, verloren.

Erstmal Bier, kühl, Notebook an, Kippchen.
Ich bin ungewöhnlich lange still. Er sitzt hinter mir an seinem Rechner.
Irgendwann wird der erste Joint gebaut, währenddessen schaue ich meinem Outlook beim Mail-Empfang zu.
Erstmal bei der Mutter melden. Handy weg.
Job weg schon seit einer Woche, aber das weiß sie ja.
Sie weiß es. Dass ich jetzt wieder alle Zelte hier abreißen muss.
Die Wohnung kündigen, das Fahrkarten-Abo, die Stadtwerke anrufen. Den Führerschein fertig machen.
Vor allem der Umzug, zurück nach hause.
Zehn Minuten später wieder der Gedanke an das verdammte Handy.

Hoffentlich ist morgen wenigstens das Geld da.
Oder jemand, der mich mitnimmt.

Als ich im Bett seines Bruders morgens aufwache, liegt Flora auf meinem Gesicht. Schöne Katze. Ich liebte damals unseren Kater zu hause über alles. Katzen waren schon immer eine Faszination für mich.
Sie müssen nicht mit Menschen reden, das ist ein immer wieder unterschätzter Vorteil. Sie können sich schnell integrieren, werden geliebt und sehen generell sehr schön aus.
Im Gegenteil zu uns Menschen. Aber diesen Part an Melancholie sollte ich dann jetzt doch besser auslassen.

Gegen Mittag irgendwann schnitzeldrauf aufstehen. Kaffee machen.
Notebook an, Outlook starten. Scheiss Emails. Eigentlich weiß ja immer schon, was mich an sich so erwartet. Entweder Spam, Benachrichtigungen von Myspace oder halt 3 Nachrichten innerhalb einer Stunde von meiner Mutter.

Warum ich Chaot das neue Handy verliere. Dass es jetzt sowieso irgendwie Junkie habe, warum ich meine Wohnung noch nicht gekündigt hätte, wieso das mit der theoretischen Prüfung so lange dauert, dass ich kein Geld mehr habe.
So lang sie nicht nach der Qualität der Drogen fragt, sollte die Welt wohl noch in Ordnung.

Und so schreibe ich eine sehr miese, übertriebene und von eigenem Hass auf mich selber gefüllte Email an sie zurück.
Nach 5 Minuten kotze ich mich dafür bereits an. Allein der abweisende und kalte Abschied, den ich ihr und meinem Vater am Sonntag gab. Kein Händedrück, keine Umarmung, nur Kälte. Mittlerweile ist es mir egal. Denn es gibt immer eine Steigerung, um Menschen in seinem Umfeld Gefühlskälte entgegen zu bringen.
Auch wenn es wahrscheinlich wieder nur eine meiner tollen Arten ist, mit dem verkorksten Dasein hier für mich selber ins Reine zu kommen.

Ich gehe jetzt duschen. Einfach mal spontan.
Er macht Dancehall an. Scheiss Musik.



Zum Urteil gegen Serkan und Spyridon
Juli 15, 2008, 8:57
Gespeichert unter: Alltag, political

“Gewiss, ganz Europa ist eine stinkende Kloake, aber Deutschland bleibt unangefochten ihre Hauptzufuhr.”

Da zeitlich verhindert, an dieser Stelle eine kleine Linkssammlung zur Nachbereitung und damit verbundener berechtigter Kritik am Fall und der Verurteilung von Serkan und Spyroz, der Tat, Verhandlung und selbstverständlich des einheitlichen Deutschen Mob.

Serkan hat keine Chance

„deren Milieus“

Mordversuch als deutscher Konsens

Verbannung aus Bayern

Die Exekution des Volkszorns

München, in der Nacht vom 17. auf den 18 April 1999:

Eine […]-Gruppe aus zehn [Männern] und zwei [Frauen] greift in der Münchner Ringseisstraße einen Mann und eine Frau an. Die [Täter_innen] stoßen den Mann zu Boden und mißhandeln ihn mit Tritten ihrer Stahlkappenstiefel an Kopf und Oberkörper. Er wird dabei lebensgefährlich verletzt und muss mit einem Bruch der äußeren Stirnhöhle schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Die Frau wird ebenfalls zu Boden gestoßen, wobei sie sich das Handgelenk bricht.

Anklagen wegen versuchtem Mord oder Totschlag gab es damals nicht (nur Verurteilungen wegen Körperverletzung), niemand forderte die Ausweisung der Täter, es gab keine Debatte über Gewaltkriminalität oder bestimmte Gruppen von Täter_innen. Noch nicht einmal ein besonderes Presseecho. Anders als Spyridon und Serkan, die diese Tage allenthalben in der Presse vorgeführt werden, hatten die damaligen Täter einen besonderen Bonus: Sie waren deutsche Neonazis. Und deutsche Täter_innen, die sind der Öffentlichkeit nicht fremd genug, vor allem wenn sie auf linke junge Menschen losgehen. Und problematisieren dass es Nazis waren? Dazu müsste mensch ja zugeben dass es sowas gibt, und das vertrug sich damals nicht mit der gutbürgerlichen Befindlichkeit. Dass das heute, fast 10 Jahre später, trotz dem Antifa Sommertheater und der Entwicklung von pseudo-Antifaschismus als neuer Staatsräson, wesentlich anders wäre darf bezweifelt werden.
Ganz anders bei Serkan und Spyridon. Die sind zwar in München aufgewachsen1, waren aber “fremd” genug für mehrere rassistische Kampagnen. An dem Fall konnte sich mal wieder der deutsche Alltagsrassismus selber bestätigen, rechte Populisten ziehen sich daran hoch (und gerieren sich gleichzeitig als verfolgte Unschuld). In diesem Klima holen dann auch Staatsanwaltschaft und Gericht die ganz schweren Hämmer raus, und kommen auf gar keine andere Idee als die Tat als “versuchten Mord” zu verfolgen, und 12 und 8 1/2 Jahre zu verhängen. Dass Gerichte, wenn sie wollen, immer anders können beweist nicht nur der Fall aus München, sondern auch ein aktuelles Urteil aus Thüringen. Dort ist ein Nazi, der 2003 einen Punk umgebracht hat, zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der Richter: “Die Tat hat bei ihm einen heilsamen Schock ausgelöst.”
Hier geht es nicht darum, härtere Strafen für Faschos zu fordern. Hier geht es darum zu zeigen, dass die hiesige Gerichtspraxis, allen hehren Ansprüchen von “Gewaltenteilung” und “Unabhängigkeit der Gerichte” zum Trotz, ein gesellschaftliches und politisches Klima widerspiegelt. Und das ist geprägt von einem krassen Rassismus und dem Glauben, jedes soziale Problem repressiv bewältigen zu können.

cafemorgenland.net

bikepunk 089

x-berg blog

Deutschland? Nie Wieder!

- Marlene Dietrich



Phrasen zum Wochenende
Juli 12, 2008, 9:48
Gespeichert unter: Alltag

„Er haderte mit sich, bis er sich schließlich sagte, es sei eigentlich ganz normal, daß er nicht wisse, was er wolle. Man kann nie wissen, was man wollen soll, weil man nur ein Leben hat, das man weder mit früheren Leben vergleichen noch in späteren korrigieren kann.“

(Milan Kundera, Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins)

Heute abend wird nachgereicht. Nicht versprochen, aber man tut ja was man kann.