provinzgefluester


Nach der Euphorie ist vor der Depression.
Dezember 29, 2008, 7:11
Gespeichert unter: Alltag

Der Begriff Exzess (von lat. excedere „heraustreten“, „über etwas hinausgehen“)

Nach 4 Tagen Exzess habe ich die Schnauze voll.
Das Notebook kommt wieder an den Schreibtisch, der neue Drehstuhl von Weihnachten wird zusammen gebaut und den Tag über muss erstmal vorrangig gechillt werden.
Am Vorabend irgendeine Einladung auf irgendeinen Geburtstag und total kaputte Telefongespräche.
Mein Masterplan: Den Tag durchhängen, als erster kommen und als erster gehen.
Zweite Option sollte sich im Nachinein als sinnlos erweisen, doch exzessiv muss alles genommen werden, was da ist.

Inmitten eines Meers von Becks, Gras und Jägermeister Cola, erscheint auch Herr Herrenhauser.
Mister von und zu noch fertig vom Vorabend. Whiskey Saufen. Ich sitze still in der Ecke und frohne dem Opfer meines zuletzt gebauten Tütchens. Elf Uhr. Halb Fünf aufstehen, denke ich mir und brülle nach Bier.
Meine motorische Begabung nimmt die eines Urzeitmenschen an, und das eigentliche Sitzfleisch hat schon seit 2 Stunden einen sinngemäßen Ort gefunden.
Balkon, rauchen, während sich die Gespräche drinnen um Glasdildos und alte Trinkgeschichten drehen.
Gern wäre ich Teil dieses oder irgendeines anderen Bukowskyschen Szenarios.
Doch längst habe auch ich begriffen, dass ein Exzess dann im Verborgenen stattfindet, wenn man hierbei nicht sonderlich wahrgenommen wird.

Gegen Zwölf Uhr findet sich ein Fahrer. Bier nachholen. Ich starre im Sekundentakt die Uhr an und denke mir, wie lang dies hier noch auszuhalten ist.
Meine Antwort ist ein 0,5 Herrenhäuser, spendiert von der Ex-Freundin, die sich diesem Gelage hier entziehen nicht konnte.
Kalte Wahrheit um halb Eins: Ich muss, unter allen Umständen, aus humaner eigenschützlicher Perspektive, dringend den Weg nach Hause antreteten. Nur 3 Straßen, mein Glück.
Der Abschied geht schnell, parallel zum Rauschzustand. Hände schütteln, ein paar missverständliche Blicke hier und dort.
Auf dem Weg nach hause gefühlsmäßige Verlorenheit und Torkeln.

„Mal wieder hungrig von einer Party nach Hause gegangen, getanzt, geschwitzt, gesoffen, viele nette, wunderbare Menschen getroffen. Dann das „Coming Down“. Nach der Euphorie ist vor der Depression. „

Selbsterkenntniss im halb vorhandenen Rausch um 5 Uhr Morgens.
Zum nächsten Jahr aufhören zu Kiffen, weniger trinken und früher schlafen gehen.

Hatte ich zwar schon letztes Jahr vor, aber es soll ja auch nicht langweilig werden.

 

….

 

Unbekannterweise Verlinkt aber sehr schön zu lesen:  straightoutfaceless



Also Friede den teutonischen Urwäldern
Dezember 23, 2008, 10:14
Gespeichert unter: Alltag, political

Wenn wir von Nationalismus, Nation und NationalistInnen reden, dann meinen wir nicht nur die Schädelmesser, Rassehygieniker und Stalingrad-Kämpfer, sondern auch die beiden Varianten deutsch-demokratischer Nationalmoral. Eben diejenigen, die finden, daß Hitler Deutschland schwer geschadet habe und schon darum nicht recht gehabt haben kann. Ebenso wie ihre liberalen Geschwister, die Demokratie und Kapitalismus aus der Menschennatur ableiten und schon darum im Nationalsozialismus eine einzige Menschenrechtsverletzung sehen – weswegen all die Morde der Nazis nicht etwa lauter Fragen über Nationalstaat und bürgerliche Gesellschaft aufwerfen, sondern nur als Beweis dienen, welche Vorzüge das schwarz-rot-goldene Deutschland gegenüber dem verflossenen Dritten Reich hätte. Der Standort D und die Zivilgesellschaft sind aber mitgemeint, wenn wir die Nation abschaffen und bekämpfen wollen.

junge Linke – Das Herrmansdenkmal kann, muss und wird gesprengt werden

 



3 Tage wach
Dezember 21, 2008, 8:45
Gespeichert unter: Alltag

Im Punkerschuppen aufwachen. 2 Becks schnell runterspülen, ab zum Bahnhof.
Keine Sonnenbrille, schlimmste Pupillen.
Ein lebendiges Anschaungsobjekt zum Thema „Maßlos“ auf dem städtischen Weihnachtsmarkt.

Wenn man vom Leben nicht viel erwartet, braucht man auch nicht viel reinstecken.
Eine simple aber effektive Sichtweise. Spätestens dann, wenn der Herr an der Tankstelle einen direkt beim reinkommen darauf hinweist, dass das Red Bull im Sonderangebot sei.

Schreibblockade. Ein Übermaß an Gedanken.
Und so lassen sich die letzten Tage ebenfalls simpel zusammenfassen.

„Zwischenmenschlich so am Ende – Politisch aber voll korrekt“



Klares Ding
Dezember 18, 2008, 10:09
Gespeichert unter: Alltag

saufen



Dezember 15, 2008, 1:03
Gespeichert unter: political

Morgen bricht ein Tag heran, und nichts wird mehr das Gleiche sein. Was kann befreiender sein als dies, nach so vielen Tagen der Gleichheit? Eine Kugel war nötig, um die brutale Abfolge dieser Identischen Tage zu durchbrechen. Der Mord an einem 15 jährigen Jungen war der Moment, in dem eine Loslösung statt fand, stark genug um die Welt auf den Kopf zu stellen. Eine Loslösung von dem warten auf andere Tage, zu einem Punkt, an dem so viele gleichzeitig dachten: „Das war es, kein Schritt weiter, alles muss sich ändern, und wir werden es verändern.“ Die Rache für den Tod von Alex, wurde zur Rache für jeden einzelnen Tag, gezwungen in dieser Welt aufzuwachen. Und was so schwierig schien, stellte sich als simpel heraus.

Dies ist was passierte, und was wir haben. Wenn uns etwas Angst macht, dann ist es die Rückkehr zur Normalität. In den Zerstörungen und Plünderungen unserer ach so heilen Städte sehen wie nicht nur das offensichtliche Resultat unserer Wut, sondern auch die Möglichkeit zu leben zu beginnen. Uns bleibt nichts anderes mehr zu tun, als uns zu installieren in der Möglichkeit und sie in ein lebendes Experiment umzuwandeln: Angefangen beim alltäglichen Leben, unserer Kreativität, der Macht unsere Wünsche zu materialisieren, der Macht die Wirklichkeit nicht zu betrachten, sondern zu konstruieren. Dies ist unser lebenswichtiger Raum. Alles andere ist Tod.

    Wir sind Hier, Wir sind Überall, Wir sind ein Abbild der Zukunft  (Übersetzung)



Dezember 7, 2008, 4:02
Gespeichert unter: Alltag

Den sonntäglichen Kirchengängern mit Becks und Kippe in der Hand um 9 Uhr morgens einen schönen Tag wünschen.

Schöne verpeilte Afterhour



Man ist halt keine 20 mehr
Dezember 6, 2008, 12:45
Gespeichert unter: Alltag

Katerzustand. Kopfschmerzen.
Gegen 11 Uhr klingelt das Telefon.
Eine Stimme, betrunken, lallend.
Bernd.

Bernd wohnte mit mir und meinen Eltern in einem Haus, über 15 Jahre her, und pflegt ab und an, wenn er daran denkt, den Kontakt zu meinem Vater.
Ich bin leicht überfordert und merke die ersten 15 Minuten nicht, wer da so betrunken, 11 Uhr mittags an einem Samstag, anruft und mir von seinem Leben erzählt.

Ehrlichkeit kann auch schlimm sein. Ich weiche keiner seiner Fragen aus, erzähle von meinem neuen Job, meinem Bruder.
Bernd fragt immer wieder nach meinem Vater. Erzählt darüber, wie sie sich kennen gelernt haben. Und mittlerweile nervt es mich an, doch ich kann nicht einfach auflegen. Sei es Interesse oder sozialer Aspekt, den Betrunkenen jetzt nicht alleine zu lassen.

Mit Frauen hat es bei Bernd nie über längere Zeit geklappt.
Immer war irgendwas. Entweder passte sie in keinster Art und Weise zu ihm, oder er stellte es falsch an.
Jedes einzelne Thema, es ist mittlerweile halb zwölf, wird von ihm gnadenlos abgegrast.
Ich lasse ein paar Details über mich und meine Bindungsangst ab und erzähle ein bisschen von neuer Verliebtheit.

47 ist er nun, und ich glaube nicht, dass sich viel bei ihm geändert.
Immer noch Autoschrauber, er trinkt gut und viel, und kann pausenlos reden.
Meine ersten beiden Versuche, das Gespräch zu beenden und an meinen Vater zu verweisen, schlagen fehl.
Der Kopf dröhnt, die Augen rot, heißer Kaffee, Zigarette. Bernd redet.
Er lässt eine leichte Faszination durchblicken. Schwärmt, was man mit 21 alles noch machen kann, die Zeit immer schneller rennt und man mit 47 dann sowieso demotiviert sei.

Mittlerweile gefällt mir das Gespräch, viertel vor zwölf, Samstag, mit einem betrunkenen 47 Jahren alten Mann.
Ich sehe mich selber, 47, im Sessel, die Flasche Korn immer offen in der Hand. Und wahrscheinlich habe ich selber dann diese verdammte Angst, viel stärker als jetzt. Aber sie ist da.
Etwas zu verpassen. Und am Ende alleine zu bleiben, verzweifelt im Suff Leute anrufen, die sich kaum an mich erinnern und einen im ersten Moment nicht verstehen wollen.
Ich denke, ihn zu verstehen. Als er darüber redet, wie er das letzte mal eine Freundin hatte, wie es auseinander ging. Über´s Trinken spricht er nicht, das erklärt sich von selbst. Eher eine Art Selbstverständlichkeit.

Bernd hat nicht viele Freunde. Ein normaler Fucker halt, und ich mag diese Art von Menschen. Da muss man sich nicht verstellen. Hier zuhören, da erzählen. Immer in dem guten Gewissen, dass man selber eigentlich nicht besser sei. Nur jünger halt. 21.
Und dafür freut er sich, wie er immer wiederholt. Er freut sich für mich, redet alles schön, was ich erzähle. Im Endeffekt bin ich mir sicher, freut er sich, dass ich 21 bin. Jung. Bereit für alles. Nicht 47, nicht betrunken um 11 Uhr mittags. Er tut mir leid.

Ich habe heute keine Lust, darüber nachzudenken. Gras checken, später eine Pizza, und endlich mal wieder in den Tag hineinleben. Wer weiß, ob all dies heute so sein wird.
Sicher ist, ich bin 21. Und ich denke, Bernd ebenso.
Auch, wenn es ihm keiner ansieht.

„Klar kannst Du Dich mal melden, halt nur nicht bei mir.
Und wer kann denn jetzt was wofür?
Zusammen eine Generation, denn was bleibt uns übrig.
Ich weiss, dass ihr wisst, dass ich es weiss.
Keine Ahnung, ob das beweist, dass es irgendwann besser wird.
Arroganz als beste Waffe.“ … but alive