provinzgefluester


Mut in diesen Zeiten, Alter.
April 27, 2009, 3:16
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12 Tage Arbeit.
Bald werde ich mir eine Art Altar mit all den Firmenschildern „externer Mitarbeiter“ erbauen.
12 Tage im Krankenhaus verbringen, Support für die dortige IT.
Ich hatte mir nicht viel dabei gedacht, Krankenhaus, was ist schon dabei?
Nach einer Woche hatte ich mich an so gut wie alles gewöhnt.
Intensivsstation, um 5 Uhr anfangen und ab in den OP-Bereich. Ambulanz, Schockraum.
Dort starrt mich ein Mann an, die linke Wange fällt nach unten. Schlaganfall. Ich sehe meinen Vater vor 8 Jahren.
Alte Menschen starren mich leer an. Nichts außer dem Geruch von Desinfektionsmittel und einem nicht definierbaren Respekt vor all dem.
Ohne mich nach dem Begriff zu erkundigen, melde ich mich natürlich ahnungslos als erster für die Computer auf der Paliativstation.
Abends sitze ich mit ein paar Bier auf der Veranda und halte Monologe über „begleitendes Sterben“.
Irgendwas setzt mir zu, doch es ist nicht der Job. Die Angst vorm altwerden. Sollte ich nicht drüber lachen? Die 12 Tage Krankenhaus, und ich maße mir an, über diese Umstände vollstends Bescheid zu wissen.
Wenn ich auch die letzten eineinhalb Jahre viermal ein Krankenhaus aufsuchen musste, nur über Nacht.

Ich wurde sensibilisiert für das Elend.
So würde ich das sehen, am letzten Tag. Wo früher Feierabend war. Schluss also mit Rundgängen durch das Krankenhaus.
Ich sitze bei T., spontan etwas zu rauchen holen.
Was tun mit dem angefangenen Tag, wenn nicht eine Stunde auf dem Sofa verbringen und fernab von jedem Niveau Scheisse labern?
T. setzt bei Frauen plötzlich oberhalb des Brustkorbes an, eine interessante Entwicklung. Schwärmt von einer neuen Bekanntschaft, ohne in nur einem Satz „Fotze“, „Ficken“ oder „Geile Alte“ zu erwähnen. Ich muss die letzten 5 Monate geschlafen haben.

„Mut in diesen Zeiten, Alter. Aber das nächste mal Bitte nicht so unspektakulär“

Genau! Wenn alle Stricke reißen, hab ich mir doch längst ne Seilwinde geholt.