provinzgefluester


Die Hölle, das sind die Anderen.
September 23, 2009, 7:42
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Ich hole L. vom Bahnhof ab.
Warten. Gespräche mit dem Nachwuchs der lokalen Skaterclique.
L. trifft ein. Lässiger Handshake und zustimmendes Nicken, ohne beidseitig einen Ton verloren zu haben. Erstmal Gras checken, abhängen. Jo.
Mein Handy ordert am anderen Ende der Leitung „30 Minuten Zeit“. Immer konspi.
War ja klar, der Treff ist an der örtlichen Hauptschule. Ich schüttle den Kopf und wir beginnen eine lebhafte Diskussion. L.´s Potential liegt hoch heute Abend.
Shell, die Goldmine der Neuzeit, nur in anderen kapitalistischen Verhältnissen.
L. und ich diskutieren nicht lange, es wird sich auf Becks geeignet.
Auf dem Weg zur Sonderschule unterdrücke ich meine Planlosigkeit, wo wir überhaupt gerade langehen. Gegenseitige Theorien L. und meinerseits bringen und letztendlich von dem Spielplatz einer Grundschule auf den Bolzplatz der Sonderschule. Klassenkampf geht halt früh los.
Ich rufe nochmals den Ticker an. Aha, Ja, Klar, Was? Nochmal um die Ecke.
Beim überqueren des Bolzplatzes kommt etwas wieder. Klar, hier, damals. Zivibullen um jede Ecke. Alte Zeiten.
Wir treffen die örtlichen Fucker an der Ecke eines Seiteneingangs. Verstrahlt, allesamt. L. schließt neue Kontakte, ich regel den Rest.
„Bloß weg hier, verdammte scheisse.“ Weder Paranioa sondern Erfahrung, was die Umgebung zeigt. Mitten an der Wand lehnt eine Bong, einer der Fucker hantiert mit seinem Speed rum und nervt jeden penetrant, doch mal unbedingt zu riechen.
Reizüberflutung, L. und ich checken ab.
Verdammte Provinz denke ich mir, doch irgendwie ist mir die Szene sympathisch.
Wir trotten Richtung Innenstadt, vielleicht ist hinter all diesen Menschen noch ein Stück Natur.
Von negativen Gefühlen getragene Diskussionen über Streitereien und anderen Mist.
Auf Höhe der nebeneinander liegenden Schlachtereien (Etwas, was ich hier nie verstehen werde) werden wir angequatscht. Wo die nächste Pommesbude sei, ob es hier irgendwo gute Currywurst gäbe. Ich unterdrücke mein Lachen und packe den Sozialen aus. Immerhin keine Verplantheit, Ja Dude, hier kenne ich mich aus.
Sie bedankt sich, Blicke, Buttons. Hier? Ska und Oi Bands.
Ich kriege den totalen Laberflash und schwalle L. zu, wie krass es doch ist, hier diese Provinzstadt, bevölkert von konservativen und verdeutschten CDU-Wählern, wo die Selbstmordrate hoch ist wie sonst nirgendwo in der Umgebung. Man lernt nie aus.
Der Rest des Weges ist geprägt von sich wiederholenden Gesprächsthemen.

„Irgendwo hinter diesen Brücken, da wo ein Stück der städtischen Zivilisation endet und man sich sicher sein kann, ein wenig Ruhe genießen zu können.“

Wir chillen uns an den Fluss. Ein Ehepaar mit ihrem Kind hat sich die Location ebenfalls erkämpft. L. und ich müssen nicht diskutieren. Kiffen, Ja. Aber nicht hier. Ich rätsel auf dem Weg zur nächsten Location, ob Bukowsky oder Helge Schneider anders entschieden hätten.
Im hohen Gras, rechts ein Baum, kurz vor uns der Fluss. That´s it, Alter.
Zwischen all dem Stress, Ärger und Schlaflosigkeit ist dies hier meine Aida.
Mein Clubschiff, mit L. als 1. Offizier.
Zufrieden mit der Situation erläutert L. mir phsysikalische Theorien, während ich den Zusammenhang zwischen revolutionärkommunistischen Streitkräften und roten Zellen in der Bundeswehr hinterfrage. Sinnlos. Bescheuert. Aber mit Inhalt.
L. checkt früh weg, wir rauchen noch eine Zigarette am vorherigen Platz.

Der Herbst kommt dieses Jahr schnell. Etwas neues?